Epirus


Die Sarakino-Bucht bei Parga

Die nordwestliche Provinz auf dem griechischen Festland
Dies ist eine durch vielfältige geschichtliche Ereignisse geprägte Provinz, die auch sehr viel gegensätzliche Eindrücke hinterlässt.
Zum einen gibt es die Küstenregion südlich von Igoumenitsa mit den zum Teil sehr bekannten und stark frequentierten Urlaubsorten Parga und Sivota - andererseits kann man historisch eindruckvolle Orte wie das berühmte Dodona. das Totenorakel von Acheronta und den Fluss Acheron oder die römische Stadt Nikopolis besuchen.
Im Süden ist letztendlich die Stadt Arta ein Besuch wert, wo man neben der berühmten Brücke über den Fluss Arachtos noch eine schöne Altstadt mit diversen Kirchen und eine alte Festung ansehen kann. 
Aus der Zeit der türkischen Besetzung stammen Bauwerke in Ioannina und sie erinnert die tragische Geschichte von 68 Frauen von Souli, die sich aus Furcht vor Gefangenschaft im Jahre 1803 von einer Felsenhöhe bei Zalonga mit ihren Kindern in die Tiefe stürzten.
Im Norden finden sich viele alte historisch interessante Dörfer und nicht zuletzt des Dorf Lias (nahe der albanischen Grenze). In dieser Gegend fanden in der Zeit des griechischen Bürgerkrieges nach Ende des zweiten Weltkriegs schlimme Kämpfe mit regierungstreuen Truppen und kommunistischen Aufständigen statt, von denen in dem Buch "Eleni" ihres Sohnes Nicholas Gage eindrucksvoll berichtet wird.

Anreise :
Da ein Auto unbedingt notwendig  ist, um auch nur ein Teil der interessanten Ziele zu erreichen, gibt es im wesentlichen nur zwei Möglichkeiten. Entweder fährt man über Italien mit dem eigenen Wagen und dem Fährschiff von Venedig, Ancona, Bari oder Brindisi nach Igoumenitsa oder man fliegt mit Charter nach Korfu und setzt mit einer lokalen Fähre zum Festland über, um dort einen Leihwagen zu mieten. Linienflüge gehen über Athen oder Thessaloniki mit Umsteigen nach Ioannina oder Preveza.
Das örtliche Busnetz ist zwar gut ausgebaut, aber es ist für touristische Unternehmungen meist nicht brauchbar.  
Falls die Fährschiffe aus Italien erst abends ankommen, sollte man ein paar Kilometer südwärts fahren, sofern man nicht in Igoumenitsa übernachten möchte. Der nächste größere Ort ist Plataria und danach erreicht  man Sivota

Reiseziele :

Es ist hier nur möglich, einige für uns wichtige besondere Orte zu erwähnen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Hier im rechten Bild sehen wir das Totenorakel Nektomanteion von Ephira. Es liegt am Rande der Ortschaft Mesopotamos (etwa 30 km südlich von Parga) und etwas abseits der Nationalstrasse 39 von Igoumenitsa nach Preveza.
1956 haben Archäologen nach den Angaben Homers mit Ausgrabungen begonnen und ein Labyrinth freigelegt, durch das seinerzeit Lebende zur Zwiesprache mit ihren Verstorbenen geleitet wurden. Man kann noch heute in die unteren vollständig erhaltenen Gewölbe hinunter steigen.
Über der Anlage wurde in späterer Zeit eine orthodoxe Kirche errichtet, die ebenfalls sehr interessante Ikonen und Kultgegenstände enthält 

 

Hier links sehen wir die Ausgrabungen von Kassiopi in der Nähe von Zalongo und südlich vom Totenorakel beim Dorf Archangelos. Oberhalb befindet sich das bereits erwähnte Denkmal für die Frauen von Souli :


 

Die Ausgrabungsstätte wurde im Sommer 2005 saniert und daher war ein kostenloser Eintritt möglich. Es ist wahrscheinlich, dass baldigst ein kleines Museum nebst Kassenhaus und Toiletten installiert werden.

Die Ausgrabungen liegen auf einer Anhöhe, so dass alleine schon der herrliche Blick über die Ebene und das Meer besonders am späten Nachmittag einen Besuch lohnen.


Weiter südlich erreicht man die umfangreiche Ausgrabung der römischen Stadt Nikopolis. Die Stadt hatte in ihrer Blütezeit am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus etwa 300.000 Einwohner. Entsprechend sind die verbliebenen Ausgrabungen weitläufig verstreut.

 
Man erreicht das Gelände auf der Nationalstrasse nach Prevezza und sollte an der großen Straßenkreuzung nördlich davon in Richtung Arta abbiegen.
Die Stadt wurde vom römischen Kaiser Augustus gegründet und erreichte zunächst eine große wirtschaftliche Blüte, allerdings soll sie bereits im Jahr 375 nach Christus durch ein Erdbeben zerstört worden sein.

Sehenswert ist ein kleines Museum am Haupteingang (allerdings zu völlig überhöhtem Eintrittspreis). Davor befinden sich die hier rechts abgebildeten Sargofake und ein wenig weiter Reste eine Basilika mit angeblich gut erhaltenen Mosaiken, die leider unter Folien bedeckt mit allerlei Schutt versteckt sind. Leider stimmt der Hinweis in einigen Reiseführern nicht, dass diese von griechischen Wärtern auf Verlangen sichtbar gemacht werden.

Es gibt noch ein Stadion und ein völlig verfallenes und von Unkraut überwuchertes Amphitheater zu sehen.
Leider ist das gesamte Areal in einem sehr vernachlässigtem Zustand.
 
Hier links sehen wir die Brücke von Arta, die über den Fluß Arachtos. Sie wurde im 17. Jahrhundert gebaut und ist ein typisches Beispiel für viele ähnliche - meist jedoch kleinere Steinbrücken in der Provinz Epirus, wie sie vor allem im nördlichen Bereich der Bergdörfer zu finden sind.
 

Arta ist eine lebendige typisch griechische Stadt und hat neben einer Festung mit Park einige schöne alte Kirchen zu bieten, deren Besuch sich lohnt.

 
Nördlich von Arta ist noch der Besuch des kleinen Städtchens Glyki zu erwähnen.

Zum einen kann man unweit außerhalb nach rechts auf schmaler Berstrasse den bereits erwähnten Ort Souli erreichen - das wichtigste Ziel aber ist der Fluß Acheron. Dieser war der mystische Fluss der Unterwelt und tritt hier durch eine tiefe düstere Schlucht, die wohl an den Hades erinnern soll ans Tageslicht. Er fließt am Totenorakel vorbei und mündet bei Ammoudia ins Ionische Meer. Von dort aus kann man ihn auch mit Ausflugsbooten teilweise befahren.

Bei Glyki beginnen einige Wege parallel zum Fluss, die allerdings alle nach wenigen hundert Metern enden. Ein Weiterkommen ist nur durch Waten im eisig kalten Wasser möglich und ist für viele Besucher ein in Griechenland einmaliges Vergnügen. 

 

Hier befinden wir uns im Norden der Provinz nahe der albanischen Grenze in Lias.

In der Nähe der Ortschaft befindet sich noch ein uraltes Kloster, das zumindest von außen einen Blick Wert ist.

Der Ort sieht heute idyllisch aus, das war er jedoch sicher nicht in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zur Zeit des griechischen Bürgerkriegs. Diese Zeit ist wie bereits erwähnt Thema des Buches "Eleni". in dem die Geschichte einer griechischen Mutter erzählt wird, die in die Mühlen der gegnerischen Parteien gerät und sich schließlich opfert, um ihren Kindern eine friedliche Zukunft bei ihrem Vater in Amerika zu ermöglichen.

Ihr Sohn Nicholas hat ihr Schicksal recherchiert und als Buch veröffentlicht. Heute findet man in Lias das durch seine Initiative restaurierte Wohnhaus Elenis

und ein kleines Hotel mit Taverne für Besucher. Ob seine Absicht, mal eine Gedenkstätte einzurichten Wirklichkeit wird ist allerdings eher zu bezweifeln.  

In der Ortsmitte befindet sich die alte - leider bei unserem Besuch verschlossene Kirche. Hier war Eleni zunächst begraben, und es steht auch noch so in einigen Reiseführern.

Seit längerem aber hat Nicholas den Leichnam allerdings nach Amerika überführt, um Eleni an der Seite ihres dort verstorbenen Mannes beizusetzen.

Ein Kuriosum sollte noch erwähnt werden : Das Staatstheater Wiesbaden hatte 2005 eine szenische Aufführung der "Johannes Passion" von Bach herausgebracht und diese im Ort Lias angesiedelt. Die Leute von Lias fordern in dieser Inszenierung die Kreuzigung Christi. Es ist allerdings - zumindest für mich - schwierig einen Zusammenhang mit den wirklichen Ereignissen in dieser Gegend herzustellen.

 

Rechts sehen wir das Orakel von Dodona. Der Ausgrabungskomplex, der auch das berühmte Amphitheater umfasst befindet sich etwa 25 km südlich der Provinzhauptstadt Ioannina.

Das Bild zeigt die (natürlich nach gepflanzte) Eiche, aus deren Blätterrascheln seinerzeit die Orakelsprüche abgeleitet wurden.

Praktische Hinweise :

Unterkünfte findet man überall. Wichtig ist eine gute Karte, die es ja überall auch hier von den einschlägigen Verlagen zu kaufen gibt.
Die beste griechische Karte kommt vom Verlag Road Editions, Athen -Blatt 3 (Epiros / Thessaly) Maßstab 1 : 250.000.
Sie ist in einschlägigen Buchhandlungen mit guter Kartenabteilung zu haben oder per Internet aus Athen zu beziehen.
Schlecht sieht es mit Reiseführern aus. Der Führer "Nord- und Mittel-Griechenland" vom M.Müller-Verlag ist zwar 2005 in Neuauflage erschienen, behandelt das Gebiet aber nicht sehr detailliert und ist teilweise veraltet.
Online-Tipp für Epirus und derzeit kaum zu ersetzen : www.epirus.de

 

                          zurück zur Startseite  oder Reiseziele

                                          Letzte Aktualisierung : 22. März. 2006 Copyright © 2006 All rights reserved